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Chacko kam als erster Do Khyi am 27.05.2001 in unsere Familie.
Übernommen haben wir Chacko aus dem Tierheim Ludwigsburg, wohin ihn eine längeren Odyssee verschlagen hatte.

Chacko's Herkunft wurde nie sichergestellt, wir haben aber bestimmte Vermutungen über seine Herkunft.

Chacko ist der Senior-Chef des Rudels. Sein Charakter ist ausgeglichen, sanft, selbstsicher und gelassen.

Chacko

Den folgenden Artikel verfassten wir für die heute nicht mehr existierende Do Khyi Zeitschrift Do-Khyi Frontal im Jahr 2001. Chacko war damals ca. 5 Monate bei uns.

Wer oder was ist der Grund dafür, daß sich mein Mann Hubert meine Liebe mit einem zweiten männlichen Wesen teilen muß? War’s das Buch über Hunderassen, das für uns irgendwann scheinbar nur noch aus den Seiten über den Do-Khyi bestand? Waren es die tausend Fragen über den Do-Khyi, die eine engagierte Halterin uns geduldig in meterlangen Mails beantwortete? Oder war’s der langweilige Sonntag in der Arbeit, der mich beim Surfen auf der „richtigen“ Homepage landen ließ?

Vor ungefähr 4 Jahren sah ich zum ersten Mal einen Do-Khyi in Köln. Der Rüde war ein wunderschönes Tier, groß und stattlich, und ich war sofort hin und weg. Der Halter war witzigerweise ebenso wie ich zu Besuch in Köln und kam ursprünglich wie ich aus München. Er erzählte mir ein wenig über seinen Hund und ich hoffte, den Do-Khyi bei einem meiner Spaziergänge mit meinen beiden Hündinnen an der Isar nochmal wiederzusehen. Leider war dem nicht so. Ein wenig habe ich mich damals über den Do-Khyi kundig gemacht.

Es kam mir aber überhaupt nicht in den Sinn, daß jemals ein Vertreter dieser wunderbaren Rasse bei uns sein würde. Schließlich lebte ich schon mit meinen beiden Mädels Lajita und Abeja, Hündinnen aus La Palma, zusammen. Und schon mit zwei Hunden wird man von einigen Leuten betrachtet, als wäre man gerade aus dem Bezirkskrankenhaus entsprungen

Letztes Jahr schenkte ich Hubert ein Buch über Hunderassen und darin stießen wir auch auf eine Rassebeschreibung des Do-Khyi. Sofort war meine Faszination wieder da und auch Hubert fing Feuer. Wir begannen uns intensiver mit dieser Rasse zu beschäftigen und wir versuchten alles über Do-Khyis und Herdenschutzhunde in die Hände zu bekommen. Zum Internet-Buchhandel Amazon hätten wir eine Standleitung legen können und wir lernten perfekt mit den diversen Suchmaschinen umzugehen um möglichst viele Suchergebnisse zu „Do-Khyi“ im Internet zu erhalten.

Hubert und ich träumten oft davon, vielleicht einen Rüden zu den Mädels dazuzunehmen, aber unsere Überlegungen beendeten wir immer mit einem vernünftigen „ein dritter Hund ist schon ein bisserl viel“. In späterer Zukunft sahen wir uns zwar in unserem Haus mit einem Hunderudel und Kindern um uns, aber so bald war das nicht geplant. So vernünftig wir nach außen waren und so wenig wir uns gegenseitig eingestehen wollten, daß wir beide völlig eingenommen von Do-Khyis waren, so sehr festigte sich in unseren Köpfen das Bild eines Do-Khyi Welpen. Als wir beim Surfen auf einer Do Khyi Homepage landeten, fühlten wir uns bei unserer Suche um ein wertvolles Stück weitergekommen. Wir begannen einen intensiven Austausch mit einer Do Khyi Halterin, die uns damals viel erzählt und sie hat auch das Negative nicht weggelassen. Wir fühlten uns ernst genommen mit unseren Fragen und Bedenken. So hatten wir die Möglichkeit, genau zu prüfen, ob das Umfeld, unsere Erfahrungen mit Hunden, unsere Vorstellung von einem Zusammenleben mit Hunden und der Charakter eines Do-Khyis mit uns zusammenpassen würden.

Im Frühjahr hatten wir die Möglichkeit auf Einladung einer Do Khyi Halterin einem Do-Khyi Treffen in Rottenburg teilzunehmen. Wir waren schrecklich gespannt und nervös und Hubert sollte endlich nach der ganzen Theorie seine ersten Do-Khyis in Natura erleben. Es war ein schöner Spaziergang für uns trotz des Wetters. Ganz besonders gefiel uns, daß keiner der anwesenden Halter einen Standesdünkel gegenüber unseren Mischlingsmädels hatte (manche Halter anderer Rassen stehen ja sehr oft über den Dingen).

Irgendwann konnten sich Hubert und ich nicht mehr vormachen, daß wir wirklich erst in einigen Jahren einen dritten Hund zu uns nehmen wollten. Außerdem merkten wir wie wichtig es uns war, daß der „neue“ Hund noch einiges von unseren beiden alten Mädels lernen sollte. Lajita und Abeja sind so faszinierende Persönlichkeiten und wir wissen, daß sie viel geben können.

Uns haben schon immer dickköpfige, eigenständige Hunde fasziniert und so sahen wir im Do-Khyi genau den Hund, der zum einen zu unseren dickköpfigen Mädels passen würde und zum anderen in der Familie eine starke Persönlichkeit wäre. Wir wollten einen Hund, der ebenso wie die Mädels ein vollwertiges Familienmitglied sein sollte, gerne skeptisch fremdem gegenüber reagiert aber der Familie gegenüber stets loyal und aufgeschlossen wäre. Auf keinen Fall sollte es ein Hund sein, der sich anbiedert und unterwürfig nur auf den nächsten Befehl wartet.

Nachdem sich der Prozess des Informierens letztendlich über ca. ein Jahr hingezogen hatte stand für uns fest, daß wir einen Do-Khyi Welpen in unsere Familie aufnehmen wollten.

So hatten wir geplant, uns für kommendes Jahr um einen Welpen zu bemühen und wollten uns dieses Jahr bei verschiedenen Züchtern umsehen und uns weiter informieren.

Aber manchmal kommt es eben anders als man denkt.

(Chacko im Sommer 2001)


An einem nicht besonders arbeitsreichen Sonntag in der Arbeit entdeckte ich Anfang Mai Chacko auf der Owtscharka-Homepage. Ich war sofort verliebt in diesen Rüden. Schon auf dem Foto hatte ich das Gefühl, daß er etwas ganz Besonderes ist. Er wurde als ausgesprochen ängstlich beschrieben mit großer Panik vor Männern. Weiter wußten wir nichts von seiner Vergangenheit. Ich mußte Hubert davon erzählen und rief ihn zu Hause. Uns war beiden klar, daß jetzt der Moment der Entscheidung gekommen war. Wir beschlossen, uns im Tierheim nach Chacko zu erkundigen und fünf Minuten später sprach ich mit seiner Betreuerin Fr. Gerlitzer. Sie erzählte mir viel von Chacko und prüfte uns und unsere Motivation schon am Telefon sehr genau. Daß Chacko Panik vor Männern haben sollte, war natürlich ein Problem. Was würde er von Hubert halten? Würde er Panik bekommen, wie würde er reagieren? Und was würden die Mädels zu Chacko sagen? Würden sie einen erwachsenen Rüden akzeptieren? Trotz dieser Zweifel vereinbarten wir einen Termin im Tierheim um Chacko kennen zu lernen zu können und er vor allem uns.
Mit unserer Vermieterin mußten wir noch abklären, ob sie uns die Haltung eines dritten Hundes genehmigen würde. Sie hatte auch immer Hunde und ist eine große Tier-und Menschenfreundin. Ohne Probleme sagte sie zu und wünschte uns noch alles Gute.

Mit Chackos Lieblingsleckerlis -Käse- und diversem Anderen bepackt traten wir am darauffolgenden Wochenende die Fahrt in’s Tierheim Ludwigsburg an.

Als wir Chacko zum ersten Mal sahen, waren wir sehr beeindruckt aber auch wahnsinnig nervös und unsicher, wie er auf uns reagieren würde. Die Betreuerin schlug einen Spaziergang vor und ich durfte Chacko zum ersten Mal an der Leine führen. Seine Schönheit und sein beeindruckender Gang nahmen uns sofort in Beschlag. Wir versuchten uns mit Leckerlis bei Chacko beliebt zu machen. Er nahm die Leckerlis sowohl von mir wie auch von Hubert an. Zwar war Chacko immer zögerlich und Fluchtbereit, aber sogar einige vorsichtige Streicheleinheiten ließ er sich gefallen. Die Mädels schienen zwar nicht allzu beeindruckt zu sein, aber sie machten Chacko auch nicht an, obwohl sie bei manchen Hunden schon die Zicke raushängen lassen können. Sie ließen ihn sogar in’s Auto schnüffeln, eine Gnade besonders für Abeja, die keinen fremden Hund auch nur annähernd an‘s Auto läßt. Bei der Rückkehr in‘s Tierheim stand unser Entschluß fest, wir würden ihn gerne zu uns nehmen. Wir hatten große Angst, eine Absage zu bekommen, aber die Betreuer entschieden sich für uns. Auschlag gebend dafür war wohl, daß Chacko Hubert gegenüber wenig Angst zeigte und daß Chacko nicht als Einzelhund leben würde.

Ein großes Problem hatten wir allerdings noch: eine Woche nach dem Tierheimbesuch wollten wir mit den Mädels in den Urlaub aufbrechen. Was sollten wir machen? Den Urlaub absagen? Schließlich stand überhaupt nicht zur Debatte, Chacko mitzunehmen. Er sollte die Gelegenheit haben, sich in Ruhe bei uns einzugewöhnen. Die Betreuerin aus dem Tierheim riet uns, den Urlaub anzutreten. Chacko war privat bei einer Betreuerin und deren Bernhardiner+Katzen untergebracht und nicht im Zwinger und er sollte die Kastration erst noch ausheilen. Im Urlaub hatten wir nochmal Gelegenheit uns alles genau zu überlegen und wir fieberten dem Nachhausekommen entgegen. Gerade für Hubert könnte es ja schwierig werden, wenn Chacko Angst zeigt oder sich mehr an mir orientiert. Ihm war klar, was auf ihn zukommen könnte und daß es gerade für ihn schwierig werden könnte. Aber er wollte das gerne auf sich nehmen. Und so sollte sich bald zu unseren beiden prächtigen Mischlingsmädels Abeja „Prinzessin auf der Erbse“ vom Sendlinger Berg und Lajita „Lucky“ de La Palma ein ebenso prächtiger Do-Khyi-Rüde gesellen.

Am Tag nach unserer Rückkehr wurde Chacko von seiner Betreuerin nach München gebracht und wir holten die beiden an der Autobahn ab. Als er sein neues Zuhause betrat, war er wahnsinnig vorsichtig, prüfte genau sämtliche Fenster und wich nicht von Fr. Gerlitzer`s Seite.

(Chacko im Urlaub an der Ostsee)


(ein “gefählicher” Do-Khyi beim Gähnen erwischt)

Nach Fr. Gerlitzer’s Abschied machte Chacko uns gleich ein Willkommensgeschenk: er markierte unseren Bettpfosten. Erstmal unsicher, ob ich einen derart traumatisierten Hund schimpfen sollte, entschied ich mich doch für ein deutliches „Nein“ und er zog sich gefrustet auf seine Matratze zurück. Und diese Matratze verließ er vorerst nur zum Fressen und Gassigehen. Das Markieren praktizierte er noch an den drei aufeinanderfolgenden Tagen, dann aber waren diese (Dominaz?-) Versuche erledigt.

Unsere ersten Spaziergänge waren für uns alle nicht gerade einfach. Chacko reagierte auf jeden Mann gestreßt, sah sich ständig panisch um als ob er verfolgt werden würde, wurde hektisch, wenn ihm ein Jogger oder Radfahrer zu nahe kamen. Vor manchen Personen flüchtete er regelrecht. Es ist schrecklich, die Panik in den Augen eines Tieres sehen zu müssen. Was muß Chacko nur erlebt haben? Wie grausam müssen Menschen sein, wenn sie einem Welpen die Kindheit nehmen und einen erwachsenen Hund nur einsperren? Spielen war ihm unbekannt und die meiste Zeit wäre er auch zu gestreßt dazu gewesen. Obwohl es heiß war, kam er überhaupt nicht auf den Gedanken, Wasser aus der Isar zu trinken. Er hatte schier Panik davor. Langsam schlich Chacko auf den Spaziergängen dahin, ich hatte nicht gedacht, daß sich Hunde derart langsam bewegen können. Für einen Spaziergang, der normalerweise knapp 2 Stunden dauerte brauchten wir nun die anderthalbfache Zeit. Es war keine Seltenheit in der Anfangsphase, daß wir 5 und mehr Stunden unterwegs waren. Aber das war es uns wert. Chacko hatte nahezu keine Muskulatur und kaum Hornhaut an den Ballen. Wenn er lief, stolperte er oft – einmal lief er sogar gegen einen Begrenzungspfosten, weil er sich nach hinten umsah aber trotzdem weiterrannte. Wir wechselten häufig das Terrain, so daß er Waldboden spüren konnte, über Steine klettern musste, Sand, Wiese und Asphalt kennen lernte (heute fetzt er wie ein Wilder ohne Stolpern durch die Gegend). Komischerweise hatte er mit Gittern nie Probleme (im Gegensatz zu unserer Fundhündin Lajita, die anfangs panisch nicht über Gitter gehen konnte), wahrscheinlich „erinnert“ ihn das an seine Zwingerhaltung.

Man merkt deutlich, daß Chacko offensichtlich misshandelt und schlecht sozialisiert worden war und daß er äußerst wenig Umwelterfahrung hat. Seine Panik vor Wasser erklären wir damit, daß er früher mit Wasser zur Züchtigung abgespritzt wurde (eine völlig überholte aber leider noch immer praktizierte Methode zum Gefügigmachen). Bei bestimmten Bewegungen erschrickt er und zuckt zusammen. Bei unerwünschten Verhalten scheint er geschlagen worden zu sein. Als ich ihm zum Beispiel Leberwurst auf dem Finger gab, fiel das Stückchen genau in dem Augenblick herunter, als er zufassen wollte und er erwischte meinen Finger. Sofort zuckte er zusammen, duckte sich bis zum Boden und sah total verängstigt zu mir hoch. Er war wahrscheinlich völlig erstaunt, daß er nicht bestraft wurde.

Es ist sicherlich wichtig, Hyrarchien und Privilegien im Zusammenleben mit Hunden festzulegen aber wir sind davon überzeugt, daß man dazu keine Gewalt benötigt, abgesehen davon lehnen wir Gewalt gegenüber Tieren und Menschen prinzipiell ab. Unnötige Härte und Ungerechtigkeit bewirken entweder genau das Gegenteil oder sie brechen die Persönlichkeit. Manchmal vergleiche ich unsere Familie mit einem Wolfsrudel: es gibt Alphatiere, das sind in diesem Fall wir Menschen mit bestimmten Privilegien und es gibt eben die Betatiere. Jeder hat seine spezielle Aufgabe (und Pflichten, d.h. in unserem Fall arbeiten um Hundefutter beizubringen...) für die er besondere Vorraussetzungen mitbringt und erst in der Gesamtheit aller mit ihren speziellen Fähigkeiten kann das Ganze funktionieren. Chacko bringt seine Fähigkeiten als Wächter der Familie mit und erfüllt diese Aufgabe schon recht gut. Zuhause ist er ständig aufmerksam. Bekommen wir Besuch, klärt er erst die Lage ab, grummelt und bellt ordentlich. Wenn er merkt, daß wir die Lage im Griff haben, geht er auf seinen Platz und gibt Ruhe (wenn wir Freunde besuchen benimmt sich Chacko auch vorbildlich).

Auch draußen paßt er gut auf seine Familie auf. Als ein Rüde einmal Lajita zu sehr bedrängt hat, war Chacko sofort zur Stelle und baute sich vor dem Rüden auf. Damit war für den Rüden die Sache geklärt und er verkrümelte sich.

(„Mir entgeht überhaupt nix“)


(Chacko lernt ein Zwergpony kennen: “Ups, das ist ja genauso groß wie ich)
Wir merken, wie Chacko sich langsam aber kontinuierlich verändert und entwickelt. Die Panik bei Spazieren gehen hat sich schon fast gelegt und weicht einer kindlichen Neugier. Wir merkten schnell, daß sich Chacko intensiv an uns orientiert und so ließen wir ihn recht bald ohne Leine laufen, so daß er ungehindert Hundebekanntschaften schließen und ihm unangenehme Situationen selbstständig umgehen kann.

Auf Rufen kommt er schon zuverlässig, aber eben mit der dem Do-Khyi eigenen Gemächlichkeit. Manchmal ist es schon erstaunlich mit welch einer Ignoranz er uns minutenlang stehen läßt, erst nochmal die Umgebung abcheckt, ein wenig rümschnüffelt und sich dann doch tatsächlich unseres Rufes erinnert und zu uns trottet.

Chacko blüht immer mehr auf. Er fing an zu spielen, knabbert an Stöckchen, wagt sich sogar an’s Wasser heran und trinkt ganz vorsichtig. Wenn er Hunde sieht ist er nicht mehr zu halten, er muß Kontakt aufnehmen und mit vielen spielt er wie ein Wilder. Manchmal schafft er es sogar unsere „Prinzessin auf der Erbse“ Abeja zum spielen zu animieren. Seine besonderen Freunde sind zwei Kuvacs-Rüden. Wenn er ihren Geruch in der Nase hat, läßt er uns stehen und startet durch wie ein Ferrari. Und dann sind die drei fleißig am Schnüffeln, Rumtoben, Raufen, Wichtigmachen...Er versteht sich mit allen Hunden prächtig, egal ob groß oder klein, Rüde oder Hündin. Machoallüren anderer Rüden lassen unseren kleinen Aristokraten völlig kalt. Eine seiner weibliche Favoriten ist die Do-Khyi Hündin Aischa. Bei dieser Hündin vergisst er sogar seine Abneigung gegen nasse Füsse. Als er sie einmal sah, wollte er zu ihr laufen, vergaß aber, daß zwischen ihr und ihm ein ca. 30cm tiefer Arm der Isar floß. Er fetzte los, spürte plötzlich Wasser an den Pfoten und stand dann wie ein begossener Do-Khyi starr mitten im Wasser. Rüber zu Aischa wären’s noch 1,5 Meter gewesen, trotzdem stapfte er lieber mit hocherhobenen Pfoten die drei Meter zurück zu uns (nun, wer weiß, vielleicht hätte das Wasser beim Weiterlaufen ja wehgetan?!).

Auch mit den (alten) Mädels versteht sich unser Junior wunderbar und er orientiert sich intensiv an den beiden, was ihm sicherlich dabei behilflich ist, sich besser zurechtzufinden. Er macht den Eindruck eines großen Welpen, der den Großen hinterher fetzt, um nur ja nichts zu verpassen. Meistens scheint er überhaupt nicht zu wissen, warum die Mädels durchstarten, aber Hauptsache Mitmachen. Wir freuen uns oft darüber, wie die drei durchs Unterholz jagen, die Mädels zielgerichtet einem Eichkätzchengeruch und er eben den Mädels hinterher. Letztens versuchte Chacko sogar, einem Eichkätzchen auf den Baum zu folgen, aber nach eineinhalb Metern war Schluß, die Masseträgheit läßt einen runden Do-Khyi-Hintern eben doch auf dem Boden bleiben. Das Eichkätzchen lachte sich in’s Fäustchen und die Meute fiepste unter dem Baum, in der Hoffnung, das Eichkätzchen könnte ihnen vielleicht doch schlaraffenlandmäßig in die offenen Mäuler hüpfen.

Chacko hat nun die Gelegenheit, einen Teil seiner Kindheit nachzuholen und da er ja auch erst 3 Jahre alt sein soll, parallel dazu auch seine Jugend und Flegeljahre. Es gibt sicherlich nicht viele Leute, die sich darüber freuen, wenn ihr Hund sich traut, Grenzen auszutesten oder auch mal Unsinn zu machen. Für uns bedeutet das, daß sein Selbstbewußtsein wächst und er Erfahrungen macht, die ihn weiterbringen. Selbstverständlich muß er auch Grenzen kennen lernen, Befehle akzeptieren. Seine Intelligenz hilft ihm dabei, Erlebtes richtig einzuschätzen und für sich aufzunehmen. Und er hat keine Probleme, auch ein „Nein“ zu akzeptieren, nur müssen wir daran arbeiten, daß er sich dann nicht sofort unterwürfig zeigt oder mit Spielaufforderungen die Situation für sich zu entschärfen versucht.

Wenn die Drei ihre täglichen Knabbereien bekommen, liegen sie einträchtig auf den Hunde-Ess-Teppich im Arbeitszimmer und knuspern vor sich hin. Am Anfang war Chacko beim Verspeisen immer recht langsam aber jetzt hat er gelernt, wie man mit den Leckerlis umgeht und er überrundet die Mädels schon bei Weitem an Schnelligkeit. Manchmal beginnt dann ein lustiges „Schweineöhrchen-wechsel-dich“-Spiel, da müssen wir höllisch aufpassen, daß auch jeder seine Ration bekommt. Beim Frühstücken wird unsere Tradition beibehalten, daß die Hunde ein Stückchen Butter bekommen und da Chacko Käse liebt, gibt’s jetzt eben auch noch ein Stückchen davon. Er hat schnell gelernt, daß dann aber Schluß ist.
Mittlerweile hat sich Chacko auch schon mit einigen weiblichen Gassigeh-Bekanntschaften angefreundet. Er geht gerne zu ihnen und läßt sich auch streicheln. Bei Männern ist er immer noch sehr zurückhaltend bis ängstlich. Obwohl er auch hier schon Freundschaften geschlossen hat. So nimmt er beim Einen schon Leckerlis an, vorsichtig und immer zur Flucht bereit. Und bei einigen anderen wagt er sich auch schon sehr nahe heran bis zum Beschnüffeln. Vor unseren Nachbarn flüchtet er auch schon nicht mehr, zwar scheint er jedesmal zu erschrecken, wenn er jemanden vorm Haus sieht mit einem Gesichtsausdruck, der wohl heißen soll „ Oh je, da muß ich jetzt wirklich vorbei?“. Aber nach einigen Zögern und sich in die Leine stemmen, zwei Schritten zurück und einen nach vorne, geht es weiter. Überhaupt keine Probleme hat Chacko mit Kindern. Einmal trafen wir eine Familie mit Kinder und Hund und Chacko spielte er scheinbar den Bodyguard für den kleinen Jungen, der an der Isar mit Steinen und Stöcken spielte. Chacko beobachtete ihn ganz genau, ließ ihn nicht aus den Augen und näherte sich vorsichtig an. Immer wenn der Kleine sich entfernte um neue Stöcke zu holen, ging ihm Chacko langsam hinterher, schön im Abstand und sehr aufmerksam. Wir freuen uns auf jeden Fall schon darauf, wenn es mit uns und Nachwuchs soweit sein wird.

Neben Aufzugfahren, Autowaschstraße, Essengehen, Biergarten, Hundeschule mit Spielstunde und Hundeseminar bei Günther Bloch (mit in einen kleinen Raum gepferchten 50 Haltern+30Hunden-auch hier vorbildliches Verhalten unseres Juniors) ... hat Chacko auch schon Tierarzt-Besuche hinter sich. Zum Ersten einen Kennlernbesuch, eine Behandlung wegen einer Augenentzündung und einen Solidaritäts-Begleitbesuch, da sich die Mädels einen Husten eingefangen hatten. Chacko hat eine so robuste Konstitution, daß er vom Husten verschont blieb. Aber vielleicht lag das aber auch an der Medizin, die er zusammen mit den Mädel zu sich nahm: die Mädels Leberwurst mit Pillen, Chacko Leberwurst ohne (das ist der Beweis, daß Placebos eben doch helfen?!).

Und noch etwas muteten wir Chacko zu: im Anfang November fuhren wir Fünf in den Urlaub an die Ostsee. Und auch hier benahm sich Chacko wieder hervorragend. Er hatte einen riesigen Spaß dabei, über den Strand und durch die Dünen zu fetzen, sich im Sand zu panieren und sich den Wind durchs Fell pfeifen zu lassen. Bei seiner ersten Begegnung mit einem Wattwurm war er derart erschrocken, daß er es nicht bleiben lassen konnte, wie wild den halben Strand umzugraben. Auch hat er wie die Mädels Gefallen an der Hasensuche gefunden, aber die durchtrainierten Ostsee-Feldhasen waren immer schneller. Es ist immer wieder witzig zu sehen, wie die Hunde oberwichtig in einem Gebüsch herumschnüffeln und ein Hasen zwei Meter weiter eine lange Nase zeigt und abdüst. Hier im Urlaub bekam Chacko auch seinen Spitznamen „Grabowski“. Sicherlich werden sich einige an den kleinen Maulwurf aus der Sendung mit der Maus erinnern. Nicht nur, daß sich die Haarfarbe und die „Frisur“ der beiden ähnelt, auch im Benehmen zeigen sie Gemeinsamkeiten. Chacko hatte es sich zwischen Sofa und Stuhl gemütlich gemacht und schlief. Plötzlich (keiner weiß warum) richtete er sich gemächlich auf, drehte einmal den Kopf nach links, dann nach rechts und schon war er wieder zwischen den Möbelstücken verschwunden. Genau wie der Maulwurf Grabowski, der aus seinem Erdhügelchen auftaucht. Auch sind die beiden sehr neugierig und erkunden die Welt, benehmen sich aber manchmal etwas linkisch und ungeschickt.

(„Huch, da bläst mir ja der Ostseewind ganz dolle durchs Fellchen. Aber wie Frauchen immer sagt: Erst ein gelüfteter Do-Khyi ist ein guter Do-Khyi“)
Selbstverständlich gibt es auch Dinge, die uns nahe an die Grenze zur Verzweiflung bringen. Da ist zum einen seine Faulheit. Die Mädels, Hubert und ich sind zwar ausgesprochene Langschläfer, aber Chacko können wir alle nicht annähernd das Wasser reichen. Morgens ist er überhaupt nicht in die Gänge zu bekommen. Schubst man ihn im Schlafzimmer an, geht er tatsächlich bis in’s Wohnzimmer, um sich da wieder hinzulegen. Nach ausgiebigen Streicheln und Knuddeln schafft er es bis in’s Arbeitszimmer u.s.w. Eine Bekannte, die ebenfalls zwei Do-Khyis hat, sagte, daß es „Tier-bzw. Do-Khyi-Quälerei“ ist, diese Hunde vor 11:00 Uhr zu wecken. Wir können das nur bestätigen! Und auch andere Do-Khyi-Halter berichteten uns ähnliches.

Zum anderen scheint Chacko prinzipiell eine Abneigung gegen das Aufbrechen zum Gassigehen zu haben. Das beginnt damit, einen 40kg-schweren Do-Khyi-Kopf in die Höhe zu wuchten (wie schafft er es nur, sein gesamtes Gewicht in dieses eine Körperteil zu packen?) um das Halsband überzuziehen, fünfmal den Do-Khyi vom einen Zimmer in das nächste zu schubsen, 50 mal zu rufen, die Mädels zu beruhigen, die schon genervt an der Tür warten. Zwischenzeitlich macht Chacko selbstständig eine Stippvisite im Flur und sieht nach, ob wir schon fertig sind. Reagieren wir aber zu langsam, kuschelt er sich wieder auf die Matratzen. Es endet damit, daß wir Chacko anleinen und er uns gnädigerweise zum Auto folgt.

Nach dem Spaziergang ist er ebenso wenig leicht wieder in‘s Auto zum Nachhause-Fahren zu bekommen. Aber auch das ist wohl typisch Do-Khyi. Vorsorglich haben wir uns für den Winter die wärmsten Schuhe und Anoraks gekauft, so daß wir eine Dauererkältung beim Warten auf Chacko vermeiden können.

Nicht zu vergessen ist, daß Chacko immer wieder unentschieden ist, bei welcher Tür er aus dem Auto aussteigen will. Öffnen wir die Seitentür, bekommt er seinen Hintern nicht in die Höhe, bei der anderen Seitentür will’s auch nicht so recht klappen, bei der Hecktür verläßt er endlich das Auto. Oder eben die ganze Angelegenheit in anderer Reihenfolge. Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß dieser Hund bei diesen Aktionen ein Lächeln um die Mundwinkel spielt.

Erwähnenswert ist auch seine Vorliebe für Eau de Toilette. Aber selbstverständlich nicht Boss oder Calvin Klein sondern „Eau de toter Fisch“ oder „Kuhfladen“. Wäre ja alles nicht so tragisch, wenn Chacko nur leichter zum Baden zu bewegen wäre. Sich sträubende 40 kg Do-Khyi zu handhaben ist ganz schön anstrengend (steht er erstmal in der Wanne, sieht er uns so leidend an, daß wir uns gerne selber bei Tierschutz der Tierquälerei bezichtigen würden). Wir arbeiten intensiv an einer positiven Konditioniererung: Badewanne=Leckerli.

Seit fünf Monaten lebt Chacko nun bei uns.

Er entwickelt sich prächtig, hat ordentlich Muskulatur aufgebaut, ist total lieb und schmusig, und sieht mit seinem wunderbar glänzenden Winterfell einfach umwerfend aus.

Nach wie vor sind wir sehr dankbar und stolz, daß dieser wunderbare Rüde mit seiner besonderen Persönlichkeit ein Mitglied unserer Familie ist. All das Schöne und Positive, das wir bisher erleben und verfolgen konnten, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß Chacko ein großer, kräftiger Rüde ist mit viel Power, einem beeindruckenden Knurren und Bellen, beachtlichen Zähnen. Er ist ein typischer Vertreter seiner Rasse, wie es uns auch immer wieder andere Do-Khyi Halter bestätigen und er ist ein Herdenschutzhund mit seinen typischen Verhaltensmustern. Besonders prägend ist für Chacko seine Vergangenheit, die aus Misshandlungen, Vernachlässigung und schlechter Sozialisation bestand. Es ist uns klar, daß in ihm Dinge stecken können, die uns vielleicht erschrecken werden. Dinge, die sich vielleicht erst in einiger Zeit zeigen werden oder die in bestimmten Situationen zum tragen kommen.

Mittlerweile haben wir Einiges aus seiner Vorgeschichte erfahren und sind geschockt und wahnsinnig erbost über das, was man ihm angetan hat, und das, was andere Hunde erleben müssen. Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, daß wir mit dem Zusammenleben mit Hunden eine große Verantwortung übernehmen. Ebenso wie die Halter sind die Züchter in die Pflicht zu nehmen. Wie kann man es vor sich und seinem Gewissen verantworten, Hunde nur zu „produzieren“ zum Geld verdienen und dann übriggebliebene Hunde aus „Überhängen der Produktion“ als Mischlinge zu verhökern. Wie kann es angehen, daß kein Wert auf Sozialisation gelegt, Daß die Welpen schon beim Züchter traumatisiert werden, daß die neuen Halter der Welpen nicht genau geprüft werden? Wie kann man nur ein Tier quälen?!!!

Wie Mir wir übel bei dem Gedanken an das, was unser Chacko schon über sich ergehen lassen mußte. Ghandi hat einmal gesagt, daß man eine Zivilisation danach beurteilen kann, wie sie ihre Tiere behandelt. Diese Aussage läßt sich uneingeschränkt auch auf den einzelnen Menschen übertragen.

Zu bedenken ist für jeden Hundehalter oder potentiellen Halter, daß auch eine noch so genaue Information vor der Aufnahme eines Hundes sicherlich nicht alle Eventualitäten abdeckt. Hunde haben ihre speziellen Fähigkeiten und Bedürfnisse und handeln nach den ihnen eigenen tierischen Verhaltensweisen. Und dann ist selbstverständlich jeder Hund eine eigenständige Persönlichkeit. Wir müssen uns immer darüber im Klaren darüber sein, daß wir niemals einen Hund hundertprozentig einschätzen oder verstehen werden. Aber auch genau das macht die Faszination im Zusammenleben mit Hunden aus. Wir müssen ihnen vieles beibringen, damit wir und andere Menschen mit ihnen ohne Schwierigkeiten zusammenleben können, aber ebenso können wir unheimlich viel von ihnen lernen. Wir finden es sehr wichtig, daß wir diesen Lernprozeß auch in dieser Richtung zulassen.

Hat eine Hund eine derart grausame Vorgeschichte wie Chacko, gestaltet sich das noch um einiges komplizierter. Auch wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß Hubert und ich in einigen Auseinandersetzungen genau abklären mußten, wie wir mit Chackos Eigenheiten umgehen wollen. Eine derartige Aufgabe kann auch manchmal belastend für die Familie/Beziehung sein (wenn man 20 Minuten benötigt, um den Hund aus dem Auto zu bekommen, kann das je nach Tagesverfassung schon gewaltig an den Nerven zehren). Aber es kann einander auch näher bringen. Jeder, der beschließt einen Hund bei sich aufzunehmen, sollte sich vorher möglichst genau überlegen, was auf ihn zukommen kann. Oder zumindest so flexibel sein, sich auf Situationen einzustellen ohne sofort in Krisenstimmung zu geraten.

Es ist schon erstaunlich, daß ein Hund mit einer Vergangenheit wie Chacko so dermaßen lieb, umgänglich, freundlich und neugierig sein kann. Wir sind sehr froh, daß er nun bei uns ist. Er ist eine ständige Freude und Bereicherung für uns. Wir sind sehr gespannt, welche Überraschungen Chacko noch für uns bereithält. Wir wissen, daß in ihm ein unglaubliches Potential steckt und unsere Aufgabe ist es nun, das zu wecken

Bedanken möchten wir uns abschließend bei denen bedanken, die die Zeit und Energie aufbrachten, uns ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit Do-Khyi mitzuteilen und geduldig unser Informationsbedürfnis gestillt hat.

Besonderer Dank gilt Fr. Schimpf, die maßgeblich an der Befreiung Chackos beteiligt war, die viel Zeit und Geld investiert hat, um Chacko ein neues Leben zu ermöglichen. Und die den Aussagen, Chacko wäre agressiv, keinen Glauben geschenkt hat, sondern sich ein eigenes Bild machte. Auch den Menschen, die sich immer wieder für Tiere einsetzen, und es im speziellen für Chacko getan haben, ein herzliches Danke.

All denen, die sich immer wieder auf Kosten von Tieren bereichern, die ihre persönlichen Defizite mit Brutalität kompensieren müssen, die sich mit Tieren profilieren, die Tiere als Mittel zum Zweck sehen und deren Bedürfnisse nicht beachten... gilt unsere uneingeschränkte Ablehnung.

Schöne Grüße an alle Do-Khyis und Hunde sonstiger Rassen und Mischungen und deren Menschen von

Abeja+Lajita+Chacko+Berit+Hubert aus München

München im Oktober 2001